Theaterspiel
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Kritiken zu "2xHeimat"

Für Details flogen Fetzen

 

INNENSTADT

 

Premiere hatte Beate Albrechts neues Theaterstück "2 x Heimat" auf der Studiobühne der WerkStadt. Entstanden ist das Stück für zwei Personen in den letzten drei Monaten auf den Touren vom Theaterspiel, einer kleinen Truppe um Beate Albrecht. Seit neun Jahren ist die Schauspielerin und Autorin freischaffend in Witten tätig. Mehrere Produktionen entstehen jährlich unter ihrer Regie mit etwa 300 Aufführungen im gesamten deutschsprachigen Raum. Diesmal hat sie sich brisanten Stoff vorgenommen: Die Probleme um die Integration der Russlanddeutschen. Eine glückliche Fügung ist die Zusammenarbeit mit Katja Beil, die in St. Petersburg Film und Theater studiert, sowie dort als Schauspielerin gearbeitet hat. Nach eigenen Gehversuche hier ist dies, abgesehen von einem Kinderstück, für sie das erste Programm bei Theaterspiel. "Thematisch haben die Stücke immer etwas mit mir zu tun", so Beate Albrecht. Impressionen sammelte sie bei einem gemeinsamen Besuch in St. Petersburg. Dort lernte sie den Alltag und die Eigenarten der dortigen Bühnenarbeit kennen. Nicht leicht gemacht haben sich beide das Ringen um die Details: "Wir haben uns richtig gefetzt." An einem deutsch-russischen Kochwettbewerb in der Provinz macht sie das Thema fest. Witzig, draufgängerisch, mit bisweilen slapstickhaften Einlagen, Vereinnahmungen des Publikums, die einem Stand-up Comedian zur Ehre gereichen, zeigt sie die Reibungspunkte und Vorurteile auf, die im Miteinander so hinderlich sind. Dabei muss sie sich als Doris ganz schön ins Zeug legen, um sich gegen das impulsive, beinahe südländische Temperament von Nadja Beil zu behaupten. In der ebenso banalen wie bizarren Situation der Hausfrauenkonkurrenz geht es um weggenommene Arbeitsplätze, Schikanen und Ausländerfeindlichkeit. Um den Preis zu erringen, scheuen sie vor gegenseitiger Erpressung nicht zurück, vereiteln aber gemeinsam eine Schlägerei in der Messehalle. Die quirlige und temporeiche Inszenierung ist bereits bei Veranstaltern gefragt.

 

 

- Martin Schreckenschläger Dienstag, 24. Oktober 2006 | Quelle: Ruhr Nachrichten

(Witten)

 

 

Kampf der Kulturen am Kochtopf

 

22.10.2006 / LOKALAUSGABE / WITTEN / WAZ

 

Zu Hause ankommen: Diese Sehnsucht vereint die russische und die bayerische Konkurrentin in Beate Albrechts Theaterstück "2 x Heimat" - und die gemeinsame Bedrohung von außen "Ich suche Deutschland!" Das bayerische Koch-Girl Doris will im Stück "2 x Heimat" ihren Platz finden. Genauso gehts ihrer russischen Konkurrentin Nadja. Bei einem Kochwettbewerb wollen beide den ersten Preis erringen.

 

Bühnenautorin und Doris-Darstellerin Beate Albrecht nutzt dieses Aufeinandertreffen der Frauen, um gängige Klischees über Rassismus und Heimatdünkel

gegeneinander auszuspielen. "Wenn schon Multikulti, dann aber bitte auf Deutsch", entfährt es Doris bei dem für sie unverständlichen Sprachen-Kauderwelsch aus der Lautsprecheranlage. "Ja wo simma denn da?!"

 

Auch die überschwängliche Nadja - herrlich überkandidelt von Katja Beil gespielt - hat zunächst so ihre Probleme.Etwas zu spät dran, wird sie von den Sicherheitskräften der Halle als potenzielle Terroristin festgehalten und gefilzt. Drinnen angekommen schwelgt auch sieerst einmal im Stolz ihrer Herkunft. Beim Aufzählen der russischen Bruderstaaten kommt sie schließlich auch kleinlaut bei Georgien an. "Krieg ist scheiße - und zwar für alle!", findet sie.

 

Doch der nächste Krieg wird gleich vom Zaun gebrochen. Ein versehentlicher Zusammenstoß der beiden Köchinnen lässt nicht nur die Egos sondern auch die Kulturen aufeinander prallen. Bei ihrer Konfrontation müssen die Streithennen schließlich erkennen, dass Heimat und Zuhause ganz unterschiedliche

Orte sein können. In dem heftigen Gespräch werden auch die persönlichen Schicksale der Protagonistinnen wie beim Schälen einer Zwiebel langsam entblättert. Einsamkeit, Flucht und Vertreibung sind dabei nicht nur ein Thema für die Russin.

 

Auch bei ihren Zukunftsplänen haben die Damen mehr Gemeinsamkeiten, als der Zuschauer zunächst vermuten würde. Das stolze Preisgeld des

Wettbewerbs wollen sie für einen Urlaub verwenden. Zusammengeschweißt werden die Köchinnen schließlich durch eine hausgemachte Bedrohung von außen: russische und deutsche Krawallmacher stehen kurz davor, dass Kochduell in eine große Keilerei zu verwandeln. Mit zweisprachiger Diplomatie gehen Doris und Nadja schließlich zusammen zur Gegenoffensive über. Ein mutiges Finale, das auf seinen verdienten Applaus in der Studiobühne

der Werkstadt nicht warten musste.Beate Albrecht hat nach Schauspiel-Ausbildung an der Hochschule der Künste in Berlin an Theatern in München, Berlin, Schwedt, Reutlingen und Innsbruck fest gearbeitet. Ihre Theatergruppe "theaterspiel" bietet seit 1995 mobile Bühnenproduktionen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. www.theater-spiel.de

Von Kay Pinno